Warum ich BizzFed gebaut habe – und warum mir das berufliche Netz gehören sollte
Es gibt diesen Moment, den vermutlich viele kennen: Man öffnet ein berufliches Netzwerk, eigentlich nur, um eine einzige Nachricht zu beantworten – und zwanzig Minuten später scrollt man durch einen Feed, den man sich nie ausgesucht hat. Beiträge, die man nicht abonniert hat. Werbung, die einen kennt, ohne dass man sie kennenlernen wollte. Eine Reihenfolge, über die ein Algorithmus entscheidet, dessen Logik niemand offenlegt.
Genau dieser Moment war für mich der Ausgangspunkt von BizzFed.
Wem gehört eigentlich mein berufliches Ich?
Berufliche Netzwerke sind längst Infrastruktur. Wir pflegen dort unsere Kontakte, unseren Lebenslauf, unsere fachliche Reputation – oft über Jahre. Und trotzdem gehört uns dieser digitale Teil unseres Berufslebens nicht. Er liegt auf Servern, die von wenigen großen Konzernen betrieben werden. Wer das Netzwerk verlässt, lässt seine Verbindungen zurück. Wer bleibt, akzeptiert, dass die Spielregeln jederzeit geändert werden können – Reichweite, Sichtbarkeit, sogar der Zugang zum eigenen Profil.
Das ist kein Versehen, sondern Geschäftsmodell. Geschlossene Plattformen leben davon, dass man drinbleibt, weil alle anderen auch drin sind. Dieser sogenannte Lock-in-Effekt ist bequem – und macht uns abhängig. Mich hat irgendwann gestört, dass ich zwar mein berufliches Netzwerk „besitze“, aber nie wirklich darüber verfügen kann.
Warum eine Alternative zu BigTech wichtig ist
Man kann diese Frage als reine Bequemlichkeitsdebatte führen. Ich glaube, sie ist größer. Es geht um digitale Souveränität – die Fähigkeit, selbst zu bestimmen, wo unsere Daten liegen, wer sie verarbeitet und nach welchen Regeln. Wenn ein paar wenige Unternehmen die zentralen Orte des beruflichen Austauschs kontrollieren, dann kontrollieren sie auch einen Teil dessen, wie wir uns beruflich zeigen, vernetzen und Chancen finden.
Eine Alternative zu schaffen heißt nicht, BigTech den Krieg zu erklären. Es heißt, eine Wahl zu ermöglichen. Vielfalt ist im Netz dasselbe wie in jedem Ökosystem: ein Schutz gegen Monokulturen, gegen einzelne Ausfallpunkte, gegen die stille Erpressung des „Du hast ja keine andere Option“.
Das Fediverse: Netzwerke, die miteinander reden
Hier kommt das Fediverse ins Spiel – und mit ihm eine Idee, die ich für eine der unterschätztesten des heutigen Internets halte. Das Fediverse ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Verbund unabhängiger Plattformen, die über einen gemeinsamen Standard miteinander kommunizieren: ActivityPub, eine offizielle Empfehlung des World Wide Web Consortiums (W3C). Auf dieser Grundlage funktionieren Mastodon für Kurznachrichten, PeerTube für Videos und viele weitere Dienste.
Das Entscheidende: Diese Dienste sind föderiert. Statt eines zentralen Servers gibt es viele – betrieben von Vereinen, Communities, Einzelpersonen, Unternehmen. Und weil sie dieselbe Sprache sprechen, kann ein Konto auf der einen Plattform einem Konto auf einer anderen folgen, antworten, interagieren. So wie E-Mail funktioniert: Niemand fragt, ob man bei demselben Anbieter ist, bevor man eine Nachricht schreibt.
Genau dieses Prinzip überträgt BizzFed auf die berufliche Vernetzung. Es ist eine föderierte Plattform für berufliche Profile und Kontakte, gebaut auf ActivityPub – aktuell im Early Access. Die Idee dahinter ist schlicht: Berufliches Netzwerken sollte nicht an den Mauern einer einzelnen Plattform enden.
Was Föderation konkret besser macht
Der Vorteil einer föderierten Lösung lässt sich an ein paar einfachen Punkten festmachen.
Kein Lock-in. Weil offene Standards die Grundlage sind, ist man nicht an einen einzigen Anbieter gekettet. Wechsel und Mitnahme der eigenen Verbindungen werden zur Möglichkeit, nicht zum Verlust.
Keine zentrale Kontrolle. Es gibt keinen einzelnen Konzern, der über Reichweite, Regeln oder den Fortbestand der gesamten Plattform entscheidet. Macht und Verantwortung verteilen sich.
Interoperabilität. Wer auf BizzFed ist, ist nicht von der übrigen Fediverse-Welt abgeschnitten. Offene Protokolle schaffen Brücken statt Mauern.
Transparenz statt Blackbox. Offene Standards und offene Strukturen lassen sich nachvollziehen, prüfen und weiterentwickeln – durch eine Gemeinschaft, nicht hinter verschlossenen Türen.
Föderation ist kein technisches Detail für Nerds. Sie ist eine Haltung. Sie sagt: Das Netz soll uns dienen, nicht umgekehrt.
Warum ich trotzdem dran glaube
Mir ist bewusst, dass ein Projekt wie BizzFed gegen mächtige Gewohnheiten antritt. Die großen Plattformen sind komfortabel, eingespielt, überall. Aber die Geschichte des offenen Internets zeigt, dass sich der scheinbar uneinholbare Vorsprung verändern kann, sobald genug Menschen eine Alternative ernsthaft wollen – und sobald diese Alternative gut genug ist, um den Umstieg zu lohnen.
BizzFed ist mein Beitrag zu dieser Wette. Es ist früh, es ist unfertig, und das soll es im Moment auch sein – Early Access heißt, dass aus Ideen und Rückmeldungen etwas Gemeinsames entsteht. Was mich antreibt, ist nicht der Glaube, BigTech „besiegen“ zu können. Es ist die Überzeugung, dass es ein berufliches Netz geben sollte, das einem selbst gehört – offen, verbunden und unabhängig.
Und genau daran arbeite ich.
