Ein föderiertes berufliches Netzwerk, allein gebaut, mit einem Abo für 21,42 Euro im Monat. Vor ein paar Jahren hätte dieser Satz wie ein Witz geklungen.
Wer so etwas bauen wollte, brauchte ein Team oder sehr viel Erfahrung: Protokolle, Kryptografie für signierte Nachrichten, Server-Härtung, Mail-Zustellung, Tests, Deployment. Jede dieser Hürden war für sich schon hoch. Zusammen waren sie für ein Ein-Personen-Projekt kaum zu nehmen.
Mit BizzFed habe ich erlebt, wie sehr sich das verschoben hat. Die Hürden sind nicht verschwunden. Aber sie sind so niedrig geworden, dass man sie Schritt für Schritt überspringen kann, wenn man bereit ist zu lernen. Das ist die Geschichte dieser Lernreise.
Der Anfang: ein Git-Server im Homelab
Die Reise begann nicht mit BizzFed, sondern zuhause. Im Februar 2026 habe ich auf meinem YunoHost-Server, einem Raspberry Pi 5, eine eigene Forgejo-Instanz aufgesetzt. Sie lief im Browser, und dann stand ich vor der ersten ganz praktischen Frage: Wie bekomme ich ein Repository dort hinein?
Der erste Push lief nicht glatt. Git meldete, dass Name und E-Mail-Adresse nur automatisch aus Benutzer- und Rechnernamen gesetzt waren. Kleinigkeiten, aber genau diese Kleinigkeiten waren früher der Punkt, an dem viele aufgegeben haben.
Diesmal hatte ich einen Gesprächspartner, der jede Fehlermeldung erklärt. Nicht als Ersatz für das Verstehen, sondern als Abkürzung dorthin.
Die Idee: ein berufliches Netzwerk im Fediverse
Im Frühjahr 2026 wurde aus dem Basteln ein Vorhaben. Den Anstoß gaben erste Versuche mit Claude Code und Mistral Vibe. Ich wollte ein berufliches Netzwerk, das nicht einem Konzern gehört, sondern über ActivityPub mit dem Fediverse spricht. Den Namen hatte ich schon: BizzFed.
Mein erster Schritt war bezeichnend für die neue Arbeitsweise. Ich habe Claude nicht um Code gebeten, sondern um einen Prompt für Claude Code. Erst das Konzept, dann die Umsetzung.
Dabei kam die erste echte Hürde ans Licht: Für Stellenanzeigen, Empfehlungen oder Bewerbungen gibt es in ActivityPub keinen etablierten Standard. Also braucht BizzFed ein eigenes Vokabular. Heute heißt dieser Namensraum bizzfed:.
Im selben Zug entstanden Logo-Entwürfe und ein Prompt für einen Frontend-Prototyp. Konzept, Architektur und Design in einem einzigen Gespräch zu skizzieren, war früher Arbeit für mehrere Rollen.
Hürden früher und heute
Rückblickend lässt sich die Reise als eine Reihe von Hürden lesen. Jede davon hätte das Projekt früher stoppen können.
| Hürde | Was man früher selbst beherrschen musste | Wie ich sie genommen habe |
|---|---|---|
| Föderation | ActivityPub, WebFinger und signierte HTTP-Nachrichten verstehen und umsetzen | Konzept mit Claude erarbeitet, Umsetzung durch Claude Code, Prüfung durch mich |
| Eigenes Datenmodell | Ein Vokabular entwerfen, das andere Software nicht bricht | bizzfed:-Vokabular mit lesbarer Darstellung als Rückfall |
| Betrieb | Server aufsetzen und härten, Reverse Proxy, TLS | Hetzner Cloud, Docker Compose, Caddy |
| Zustellbarkeit, SPF, DKIM, DMARC | Transaktionsmails über Resend | |
| Qualität | Tests schreiben, CI einrichten | CI in Forgejo prüft Lint, Typen, Tests, Abhängigkeiten und Farbkontraste |
| Recht | Impressum, Markenrecherche, Regulierung | Mit Claude recherchiert, entschieden habe ich |
Keine dieser Hürden ist verschwunden. Aber für jede gab es jetzt einen Weg, der für eine einzelne Person gangbar war.
Vom Homelab ins Netz
Irgendwann reicht der Raspberry Pi nicht mehr. Im Juni 2026 habe ich geplant, BizzFed bei Hetzner zu hosten. Die Frage war schlicht: Was brauche ich dafür? Die Antwort war eine Liste aus Server, Reverse Proxy, Datenbank, Queue, Backups und Firewall. Früher hätte allein das Wochen an Einarbeitung bedeutet.
Ein gutes Beispiel ist die E-Mail. Mir war wichtig, dass der Versand europäisch und unabhängig von Big Tech ist, mit nachvollziehbaren Preisen. Zuerst habe ich mich für einen selbst gehosteten Mailserver entschieden, Stalwart. Bei der schieren Menge an Mails stimmte die Performance aber nicht. Heute laufen die Transaktionsmails deshalb über Resend.
Der Weg ist typisch für diese Reise: Entscheidungen werden nicht mehr durch fehlendes Wissen blockiert, sondern durch echte Abwägungen. Das ist ein großer Unterschied.
Heute laufen bei Hetzner die Instanz bizzfed.de, das Feedback-Board feedback.bizzfed.de und Forgejo unter forgejo.bizzfed.de. Dazu kommen eine separate Staging-Instanz für Tests und ein zweiter Server, auf den Datenbank und Medien gesichert werden.
Die Community redet mit
Sobald BizzFed öffentlich war, kam Gegenwind. Eine kleine, aber laute Gruppe im Fediverse stand KI-gestützter Entwicklung grundsätzlich skeptisch gegenüber. Eine Frage stand dabei im Raum: Was bedeutet Vibecoding für die Sicherheit?
Ein Community-Mitglied schlug konkrete Maßnahmen vor: Coding-Richtlinien, Architektur-Dokumentation, eine AGENTS.md, Regressionstests, Code-Reviews nach dem Vier-Augen-Prinzip, statische Analyse und kontrolliertes Abhängigkeitsmanagement. Ich habe die Vorschläge nach ihrem technischen Wert sortiert, nicht nach der Lautstärke, mit der sie kamen. Vieles davon war schlicht gutes Engineering.
Daraus ist ein Teil meiner heutigen Leitplanken entstanden. AI-NOTICE.md macht transparent, dass BizzFed mit KI-Unterstützung entsteht. AGENTS.md beschreibt, wie KI-Werkzeuge im Projekt arbeiten sollen. Die CI-Prüfungen sind für jede Änderung verbindlich.
Die wichtigste Lektion dieser Phase: Die Technik senkt die Hürde beim Bauen. Vertrauen muss man trotzdem selbst verdienen, durch Offenheit und nachprüfbare Qualität.
Mehr als Code
Eine Plattform zu betreiben, heißt nicht nur zu programmieren. Auch hier waren die Hürden früher hoch, weil man für jede Frage eine Fachperson brauchte.
Für den Namen habe ich nach Markenkollisionen recherchiert. Dabei tauchten eine US-Marke BIZFED und die Ähnlichkeit zu BuzzFeed auf. Das Risiko habe ich insgesamt als sehr gering eingeschätzt.
Das Impressum habe ich nach § 5 DDG korrigiert und einen zweiten Kontaktweg ergänzt. Mit vutuv.de habe ich mir ein vergleichbares Projekt als Vorbild angesehen. Und ich habe mich mit der Frage beschäftigt, wie es um das Urheberrecht an KI-generiertem Code nach deutschem Recht steht.
KI ersetzt dabei keine Rechtsberatung. Aber sie hilft, die richtigen Fragen zu stellen und zu erkennen, wo man wirklich eine Fachperson braucht.
Mein Werkzeugkasten heute
Aus dem Ausprobieren ist ein fester Ablauf geworden. Jede Änderung an BizzFed geht durch dieselben Stationen:
- Fider: Eine Idee oder ein Fehler wird auf feedback.bizzfed.de eingereicht. Nutzerinnen und Nutzer stimmen darüber ab.
- OpenProject: Was umgesetzt wird, bekommt ein Arbeitspaket. Daraus entsteht nebenbei mein Entwicklungstagebuch.
- Claude Code: Ich beschreibe die Aufgabe, bei größeren Vorhaben kläre ich Optionen vorab. Alles, was nach außen wirkt, also Antworten an Nutzerinnen und Nutzer, öffentliche Beiträge, Löschungen und Pushes, gebe ich ausdrücklich frei.
- Forgejo: Der Code geht ins Repository, und die CI muss grün sein.
- Staging: Änderungen an Datenbank oder Föderation laufen zuerst auf einer separaten Testinstanz.
- Deploy: Erst dann geht die Änderung auf bizzfed.de. Ich prüfe Erreichbarkeit und Funktion, und das Ticket bekommt eine Antwort.
Mattermost begleitet den ganzen Ablauf. Es meldet jede Änderung am Code, auch aus Sicherheitsgründen, dazu Erreichbarkeit, Änderungen im ActivityPub-Verhalten und neue Kontaktmails.
Und das kostet es:
| Posten | Wofür | Kosten |
|---|---|---|
| Claude Pro | Entwicklung mit Claude Code | 21,42 € pro Monat |
| Hetzner Cloud | bizzfed.de, Feedback-Board, Forgejo | 8,44 € insgesamt von August bis Anfang Oktober 2026 |
| Domains | bizzfed.de, bizzfed.eu, bizzfed.com | 2,50 € pro Monat |
| Resend | Transaktionsmails | 18 Euro pro Monat |
Mattermost und OpenProject laufen auf meinem Server zuhause. Diese Kosten rechne ich nicht ein, weil dieselbe Infrastruktur auch etliche andere Dienste bedient.
Was nicht kleiner wird
So ehrlich muss diese Geschichte sein: Manche Dinge nimmt einem keine KI ab.
Die Entscheidungen bleiben bei mir. Was gebaut wird, in welcher Reihenfolge und was live geht, entscheide ich. Claude Code übernimmt das Schreiben, nicht das Steuern.
Auch die Verantwortung bleibt. Weil ich allein entwickle, gibt es kein menschliches Vier-Augen-Prinzip. Automatisierte Prüfungen, der Test auf Staging und meine eigene Durchsicht ersetzen es so gut es geht. Die AGPL-3.0 sorgt dafür, dass jeder den Code prüfen kann.
Und dann ist da die Zeit. Sie taucht in keiner Kostentabelle auf und steckt doch in jeder Zeile.
Fazit: KI als technischer Enabler
Vom ersten holprigen Push in meinem Homelab bis zu einer föderierten Plattform mit eigener Instanz, Feedback-Board, CI und Staging war es ein weiter Weg. Gegangen bin ich ihn allein, mit einem Abo für 21,42 Euro im Monat.
Das Entscheidende ist nicht, dass die KI mir Arbeit abnimmt. Entscheidend ist, dass sie Türen öffnet, die vorher für Einzelne kaum zu öffnen waren. Protokolle, Betrieb, Qualitätssicherung und Recht sind keine unüberwindbaren Mauern mehr, sondern Stufen, die man nacheinander nehmen kann.
Wer eine Idee hat und bereit ist zu lernen, kann heute anfangen. Genau das möchte ich mit BizzFed zeigen.
Wer BizzFed ausprobieren oder mitreden möchte: bizzfed.de und feedback.bizzfed.de.
Dieser Artikel wurde zum Teil mit Hilfe von KI erstellt.
Und nein, keine Angst, das wird auf diesem Blog jetzt nicht die Regel 🙂
